| Bevor Chris Mennel die Kunstausstellungen in der Zehntscheuer
kuratierte, lag der oberste Stock dieses tollen Gebäudes
weitgehend ungenutzt brach. Er hat Probleme, die Auflagen des Brandschutzes
zu erfüllen: "Niemand darf sich längere Zeit da oben aufhalten." Denn
nur eine Wendeltreppe führt hinauf. Man kann also nicht von da
oben weg über zwei verschiedene Treppen fliehen, wie es in jedem Flugzeug
geht (Ich mache hier einen Witz, hey).
Der Fernsehturm Stuttgart wurde 2013 geschlossen,
weil auf dem Papier steht, dass bei "Gebäuden" ein zweiter Fluchtweg sein
muss. Ein Turm ist ein Gebäude, hm? Durch die Hintertür wurde er dann nach
18 Monaten wieder geöffnet.
Die Fernsehtürme in Hamburg, Dresden oder Köln bleiben aber bis heute
"wegen Brandschutz-Auflagen" geschlossen. Beim gefährlichen oberen Stock der Zehntscheuer (fast so gefährlich wie ein einfahrender Zug im Bahnhof, hey)
erläutert Chris Mennel: "Es steht kein Stuhl in diesem Raum. Das sorgt dafür, dass
sich niemand lange drin aufhält. Es kann hier nur kurz durchgelaufen
werden" - und stellt Kunst aus.

Links im obersten Stockwerk der
Zehntscheuer vor dem Fenster die Bilderserie "Top 20" im Kleinformat mit
neonfarbenen Acrylrahmen. Jedes Bild ist mit einem Musikstück verknüpft.
Rechts hinten der "erotische Akzent": Pro Kunstausstellung wird ein
erotisches Bild gewagt. Ansonsten alles brav im Speicher :-)
"Speicher
der Geheimnisse" heißt dieser oberste Bereich der
Zehntscheuer nun. Eine selten ausgestellte Kunstrichtung wird dort in der Zehntscheuer
zelebriert: "Psychodelia" nennt Chris Mennel sie.
Als "Sandwichdias" und
"Mehrfachbelichtungen" werden die Werke handwerklich bezeichnet. Sie waren
in der "Analogzeit", also bis heran an 2000, bei Foto-Profis bekannt. Sie
zu erstellen verläuft ein wenig frickelig. Kunst wurde damit in der Zeit
der Schwarzweißfotografie, mit Arbeit in der Dunkelkammer, gemacht. Das
begann vor 1900 und lief 1970 etwa aus. Später, nun bunt, tauchen solche
"unwirklichen Fotos" vor allem in Kitsch und Werbung noch auf.

"Eingang zur Höhle der Waldgeister" -
Psychodelia-Bild von Chris Mennel
Erläuterung durch den Künstler:
"Meine
Psychodelia-Fotos entstehen am Lichttisch. Ich lege viele Dias
nebeneinander und manche dann nach Augenmaß übereinander. Wenn zwei Dias
aufeinander eine Bildbotschaft an mich senden, quetsche ich sie in einen
Dia-Rahmen und schaue im Projektor nach, ob die Bilder in stolzer Größe
Wirkung entfalten.
Das ganze ist
bei mir Vergangenheit. Ich war nur einmal im Leben "im Flow", um solche
Werke zu erfinden, zwischen 1992 und 1993. Meine Bild-Ergebnisse sind
möglicherweise "wilder" als irgendein vergleichbares Kunstangebot der
Fotoszene.

Chris Mennel, "Heimweg" aus der Serie
"Oktagon für Albert Hoffmann"
Für
Kunstkäufer interessant: Alles, was im "Speicher der Geheimnisse"
steht, ist "analog". Das sind "echte Fotos" mit "analogem Korn", wenn man
die Lupe ansetzt - nix Digital-Pixeliges. Solange es Fotolabors gibt - und
ein paar werden sich weltweit halten - kann ich "Originale aus der
Dunkelkammer" liefern.
Ich bin
handwerklich bei
Schwarzweiß-Dunkelkammer-Arbeit stehengeblieben, stelle mich aber gern mal
wieder neben einem Fachmenschen ins Farb-Foto-Labor: Von Hand im Cibachrome-Labor hergestellt, wird jeder Psychodelia-Abzug individuell.
Der "Speicher
der Geheimnisse" zeigt Lichtbild-Sandwich-Originale. Sie
wurden in einem einfachen Farb-Fotolabor auf analoges Fotopapier geholt.

Prost! Umtrunk mit einem im Schwabenland exotischen
Bier ("Kölsch") im "Speicher der Geheimnisse" |