Speicher
  

Home ] Nach oben ] 2025 Frühling ] 2025 Sommer ] 2025 Herbst ] 2025 Winter ] Einladungs-Mails ] [ Speicher ] Überbau ]

 

Bevor Chris Mennel die Kunstausstellungen in der Zehntscheuer kuratierte, lag der oberste Stock dieses tollen Gebäudes weitgehend ungenutzt brach. Er hat Probleme, die Auflagen des Brandschutzes zu erfüllen: "Niemand darf sich längere Zeit da oben aufhalten." Denn nur eine Wendeltreppe führt hinauf. Man kann also nicht von da oben weg über zwei verschiedene Treppen fliehen, wie es in jedem Flugzeug geht (Ich mache hier einen Witz, hey).

Der Fernsehturm Stuttgart wurde 2013 geschlossen, weil auf dem Papier steht, dass bei "Gebäuden" ein zweiter Fluchtweg sein muss. Ein Turm ist ein Gebäude, hm? Durch die Hintertür wurde er dann nach 18 Monaten wieder geöffnet. Die Fernsehtürme in Hamburg, Dresden oder Köln bleiben aber bis heute "wegen Brandschutz-Auflagen" geschlossen. Beim gefährlichen oberen Stock der Zehntscheuer (fast so gefährlich wie ein einfahrender Zug im Bahnhof, hey) erläutert Chris Mennel: "Es steht kein Stuhl in diesem Raum. Das sorgt dafür, dass sich niemand lange drin aufhält. Es kann hier nur kurz durchgelaufen werden" - und stellt Kunst aus.

Links im obersten Stockwerk der Zehntscheuer vor dem Fenster die Bilderserie "Top 20" im Kleinformat mit neonfarbenen Acrylrahmen. Jedes Bild ist mit einem Musikstück verknüpft.
Rechts hinten der "erotische Akzent": Pro Kunstausstellung wird ein erotisches Bild gewagt. Ansonsten alles brav im Speicher :-)
   

"Speicher der Geheimnisse" heißt dieser oberste Bereich der Zehntscheuer nun. Eine selten ausgestellte Kunstrichtung wird dort in der Zehntscheuer zelebriert: "Psychodelia" nennt Chris Mennel sie.

Als "Sandwichdias" und "Mehrfachbelichtungen" werden die Werke handwerklich bezeichnet. Sie waren in der "Analogzeit", also bis heran an 2000, bei Foto-Profis bekannt. Sie zu erstellen verläuft ein wenig frickelig. Kunst wurde damit in der Zeit der Schwarzweißfotografie, mit Arbeit in der Dunkelkammer, gemacht. Das begann vor 1900 und lief 1970 etwa aus. Später, nun bunt, tauchen solche "unwirklichen Fotos" vor allem in Kitsch und Werbung noch auf.

"Eingang zur Höhle der Waldgeister" - Psychodelia-Bild von Chris Mennel

Erläuterung durch den Künstler:

"Meine Psychodelia-Fotos entstehen am Lichttisch. Ich lege viele Dias nebeneinander und manche dann nach Augenmaß übereinander. Wenn zwei Dias aufeinander eine Bildbotschaft an mich senden, quetsche ich sie in einen Dia-Rahmen und schaue im Projektor nach, ob die Bilder in stolzer Größe Wirkung entfalten.

Das ganze ist bei mir Vergangenheit. Ich war nur einmal im Leben "im Flow", um solche Werke zu erfinden, zwischen 1992 und 1993. Meine Bild-Ergebnisse sind möglicherweise "wilder" als irgendein vergleichbares Kunstangebot der Fotoszene.

Chris Mennel, "Heimweg" aus der Serie "Oktagon für Albert Hoffmann"

Für Kunstkäufer interessant: Alles, was im "Speicher der Geheimnisse" steht, ist "analog". Das sind "echte Fotos" mit "analogem Korn", wenn man die Lupe ansetzt - nix Digital-Pixeliges. Solange es Fotolabors gibt - und ein paar werden sich weltweit halten - kann ich "Originale aus der Dunkelkammer" liefern.

Ich bin handwerklich bei Schwarzweiß-Dunkelkammer-Arbeit stehengeblieben, stelle mich aber gern mal wieder neben einem Fachmenschen ins Farb-Foto-Labor: Von Hand im Cibachrome-Labor hergestellt, wird jeder Psychodelia-Abzug individuell.

Der "Speicher der Geheimnisse" zeigt Lichtbild-Sandwich-Originale. Sie wurden in einem einfachen Farb-Fotolabor auf analoges Fotopapier geholt.

Prost! Umtrunk mit einem im Schwabenland exotischen Bier ("Kölsch") im "Speicher der Geheimnisse"